Adoption hat gravierende Folgen im Erbrecht

Adoption und die Folgen im Recht

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Adoption ist die Annahme einer anderen Person als Kind. 

Die Adoption hat weit reichende Folgen im Familienrecht, Erbrecht und Erbschaftsteuerrecht. Sie wird nur auf Antrag des Annehmenden, der notariell beurkundet werden muss, durch das Familiengericht ausgesprochen. Nach der Adoption sind Adoptiveltern (Annehmende) und Adoptvkind (Angenommener) miteinander verwandt.

Wichtig ist, dass die Adoption Minderjähriger und an die Adoption Volljähriger unterschiedliche Voraussetzungen und Rechtsfolgen hat.

1. Adoption eines Minderjährigen
Ist das Adoptivkind minderjährig, muss die Adoption dem Wohl des Kindes dienen und zu erwarten sein, dass zwischen dem Annehmenden und dem Kind ein echtes Eltern-Kind-Verhältnis entsteht. Der Angenommene verliert dabei die Verwandtschaft zu seinen leiblichen Eltern und seinen früheren Verwandten. Er wird aus der alten Familie „herausgelöst“ und in die neue Adoptionsfamilie voll eingegliedert („Voll-Adoption“).

Infolgedessen kann das Adoptivkind auch nur die „neuen“ Adoptiveltern und die neuen Verwandten beerben, die „alten“ biologischen Eltern und die alten Verwanten hingegen nicht.

Pflichtteilsberechtigt ist der als Minderjähriger Adoptierte nur gegenüber seinen Adoptiveltern und gegenüber den Eltern der Adoptiveltern („Adoptivgroßeltern“); gegenüber seinen leiblichen Eltern und gegenüber den leiblichen Großeltern besteht kein Pflichtteilsrecht mehr.

2.1 Volljährigenadoption
Ist das Adoptivkind volljährig, kann es nur adoptiert werden, wenn die Annahme sittlich gerechtfertigt ist, weil zwischen dem Annehmenden und dem Anzunehmenden bereits ein Eltern-Kind-Verhältnis entstanden ist. Mit der Adoption bekommt das volljährige Adoptivkind zu seinen leiblichen Eltern noch weitere Eltern hinzu („Verdoppelung der Elternzahl auf Vier“).

Das volljährige Adoptivkind kann also vier Elternteile haben und auch vier Elternteile beerben. Das adoptierte Kind hat ein volles Erbrecht nach den Adoptiveltern und den biologischen Eltern.

Nicht beerben kann es die Verwandten der Adoptiveltern, wohl aber die Verwandten seiner leiblichen Verwandten (das Adoptivkind bleibt hier also im alten Familienverbund und bekommt nur die Adoptiveltern hinzu).

Wurde das Adoptivkind als Volljähriger adoptiert hat es ein Pflichtteilsrecht gegenüber allen vier Eltern (zwei leibliche und zwei Adoptiveltern), aber nur gegenüber den leiblichen Großeltern (nicht gegenüber den „Adoptivgroßeltern).

2.2 Änderung des Nachnamens bei Volljährigenadoption?

Es mag überraschen, aber nicht nur Minderjährige, die adoptiert werden, sondern auch Volljährige erhalten mit der Adoption als Geburtsnamen den Familiennamen des Annehmenden. Wer zum Beispiel den Geburtsnamen Sommer hat, erhält den Namen der Adoptiveltern als Geburtsnamen und kann dann plötzlich Winter heißen. Das kann mit unangenehmen Nachfragen verbunden sein. Auch kann der unter dem Geburtsnamen hergestellte Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit  ein herber Verlust sein.

Führt das annehmende Ehepaar keinen gemeinsamen Ehenamen (der Ehemann heißt Winter, die Ehefrau Herbst), dann müssen sie im Rahmen der Adoption bestimmen, welchen dieser Namen (Winter oder Herbst) das adoptierende volljährige Kind erhält.

Ist das volljährige Adoptivkind aber schon verheiratet und ist Sommer auch der Ehename in dieser Ehe (d.h. die Ehefrau hat ihren Mädchennamen Frühling abgelegt und den Ehenamen Sommer angenommen), muss die Ehefrau namens Sommer gefragt werden, ob sie sich der Namensänderung Ihres Ehemannes hin zu Winter anschließen will. Wenn Frau Sommer erklärt, dass sie sich nicht vorstellen kann, künftig Frau Winter zu sein, behalten Sie und ihr Ehemann den Familiennamen Sommer. Lediglich der Geburtsname des anzunehmenden Mannes wird von Sommer in Winter geändert. Er ist dann ein Herr Sommer, geborener Winter. Sie bleibt Frau Sommer, geborene Frühling.

3. Altadoptionen vor dem 1.1.1977

Fragen zu Adoptionen nach dem alten Adoptionsrecht vor 1977 sind schwierig und kompliziert. Bitte schauen sie hierzu unter dem Stichwort „Altadoption“ in „Erbrecht verständlich von A bis Z“ nach.

4. Unterhaltspflicht entsteht
Zu beachten ist bei jeder Adoption, dass Annahmender und Angenommener einander unterhaltspflichtig werden.

5. Welche Voraussetzungen müssen „Annehmende“ erfüllen?
Wer nicht verheiratet ist, kann ein Kind nur alleine annehmen. Ein Ehepaar kann ein Kind nur gemeinschaftlich annehmen. Ein Ehegatte kann auch ein Kind des anderen Ehegatten alleine annehmen, nicht aber sein eigenes Kind. Der Annehmende muss unbeschränkt geschäftsfähig und mindestens 25 Jahre alt sein. Bei einem annehmenden Ehepaar genügt es, wenn ein Ehegatte mindestens 25 Jahre alt ist und der andere Ehegatte mindestens 21 Jahre alt ist (§ 1743 BGB).

6. Einwilligung des Kindes erforderlich
Die Annahme bedarf der Einwilligung des Kindes. Diese hat bei Kindern unter 14 Jahren sein gesetzlicher Vertreter zu erteilen. Ist das Kind 14 Jahre alt, kann es die Einwilligung nur selbst erteilen und bedarf hierzu der Zustimmung des gesetzlichen Vertreters. Bei unterschiedlicher Staatsangehörigkeit des Annehmenden und des Kindes ist zusätzlich die gerichtliche Genehmigung des Familiengerichtes erforderlich. Vorsicht bei der Adoption ausländischer Kinder: Unbedingt immer erst eine Probezeit vor der Adoption vereinbaren. Uns sind Fälle bekannt, bei denen gutgläubigen Adoptiveltern „verhaltensauffällige“ Kinder, die bei den Kontakten medikamentös ruhig gestellt worden waren,  regelrecht „angedreht“ wurden, was zur Zerrüttung nicht nur der elterlichen Nerven, sondern auch der Ehe führte.

7. Einwilligung der leiblichen Eltern bei Minderjährigenadoption
Zur Adoption eines Minderjährigen ist die Einwilligung der Eltern des Kindes erforderlich (bei Volljährigen nicht!), es sei denn, diese wären dauerhaft wegen Geschäftsunfähigkeit oder unbekannten Aufenthaltes zur Abgabe der Erklärung außerstande. Die Einwilligung kann frühestens erteilt werden, wenn das Kind acht Wochen alt ist. Die Einwilligung der Kindeseltern ist nur wirksam, wenn die Annehmenden bereits feststehen. Eine allgemeine Einwilligung zur „Blanko-Adoption“ ist unzulässig.

Wird die Einwilligung der Eltern verweigert, kann sie bei Vorliegen triftiger Gründe (z.B. gröbliche Pflichtverletzung der Eltern gegenüber dem minderjährigen Kind) durch das Familiengericht ersetzt werden. Mit der Einwilligung zur Adoption, die der notariellen Beurkundung bedarf und weder bedingt noch befristet ausgesprochen werden kann, ruht die elterliche Sorge und die bestehende Unterhaltspflicht. Wird die Adoption durch das Familiengericht ausgesprochen, verändern sich die verwandtschaftlichen Beziehungen wie oben dargestellt.

8. Ist es wahr, dass Adoptierte wohl die Adoptiveltern beerben können, nicht aber umgekehrt?

Das gesetzliche Erbrechts ist grundsätzlich immer ein gegenseitiges. Wer als gesetzlicher Erbe eines anderen in Frage kommt, ist gleichzeitig immer dessen möglicher Erblasser.

Bis zum Adoptionsgesetz von 1976, das am 1. Januar 1977 in Kraft trat, gab es allerdings eine Ausnahme, die Sie mit Ihrer Frage ansprechen. § 1759 BGB a.F. bestimmte bis zum 31.12.1976:

Durch die Annahme an Kindes statt wird ein Erbrecht für den Annehmenden nicht begründet.

Für das Verhältnis von Adoptanten und Adoptierten galt also bis 1977, dass der Adoptierte ein gesetzliches Erbrecht nach dem Adoptanten hatte, nicht aber umgekehrt. Das ist aber Rechtsgeschichte. Heute sind Adoptierter und Adoptant gegenseitig erbberechtigt.

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