Aktien als Steuerfalle

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[ 12.07.2010 ]

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Im Erbschaftsteuerrecht gilt das strenge Stichtagsprinzip – mit manchmal schlimmen Folgen.

Beispiel:
O. hatte in den neuen Markt investiert. Bei seinem Tod im Jahr 2002 hatte das Depot einen Wert von 800.000 €. Einige Monate später, als seine Erben, die Enkel A und B, endlich den Erbschein in Händen hielten und über das Depot verfügen konnten, war der Wert auf 40.000 € abgestürzt.
Dies ändert aber nichts daran, dass das Finanzamt für die Berechnung der Erbschaftsteuer den Wert am Todestag zugrunde legt, also für jeden Enkel 300.000 €, macht nach Abzug des Freibetrags für Enkel von jeweils 200.000 € je Enkel einen steuerpflichtigen Erwerb von 200.000 €, hierauf 11% Erbschaftsteuer ergibt 22.000 €. Jeder Enkelsohn muss also mehr an Steuern zahlen als er noch an Wert in Händen hält.

Was kann man tun?

1. Wer Aktiendepots in größerem Umfang hat, sollte eine Vollmacht
errichten, mit der der Erbe oder die Erben nach seinem Tod sofort
handeln können und beispielsweise Wertpapiere verkaufen können, um
einen Kursverfall in Grenzen zu halten. Wer einen Missbrauch der
Vollmacht fürchtet, kann die Vollmacht auch als sogenannte
postmortale Vollmacht errichten; dann wird sie erst mit dem Tod
wirksam. Der Vorteil: Die Erben müssen nicht auf den Erbschein
warten, dessen Erteilung manchmal Monate dauert.

2. Ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen, sollten die Erben
im Extremfall prüfen, ob sie das Erbe ausschlagen können (Frist in
der  Regel hierzu allerdings nur sechs Wochen) oder einen
Erlaßantrag bei der Finanzverwaltung stellen (Urteil
des Finanzgerichts Berlin vom 10.10.1989 Az: V 37/89,
abgedruckt in EFG 1990 S.323).
Allerdings ist die Finanzverwaltung sehr knauserig. Mit einem
(wenigstens teilweisen) Erlass der Steuer kann man in der Regel
nur rechnen, wenn man darlegen kann, dass man als Erbe (wie im
Beispielsfall) gar keine Chance hatte, den Kursverfall zu

 

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zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

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