Auslandstestament: Kann ich mein Testament im Ausland errichten, um in den Genuss des dortigen Rechts zu kommen?

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[ 04.04.2015 ]

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Viele Deutsche leben in im Ausland, verbringen vielleicht ihren Lebensabend in Spanien. Da kann es durchaus sein, dass einem die ausländische Rechtsordnung sympathischer ist als die deutsche. Wenn ich bewusst nach ausländischem Recht gestalte, kann ich dann die Anwendung des ausländischen Erbrechts nach meinem Tod herbeiführen? Gilt dann deutsches oder spanisches Recht, wenn ich mein Testament im Ausland unter Verwendung ausländischer Rechtsinstitute verwende, die es in Deutchland vielleicht gar nicht gibt?

Bis zum 16. August 2015 gilt in solchen Fällen grundsätzlich deutsches Erbrecht. Danach kommt es wegen der neuen EU-Erbrechtsverordnung darauf an. Dann kann der Erblasser die Anwendung ausländischen Erbrechts in der EU bewusst herbeiführen. Hatte der Erblasser seinen Lebensmittelpunkt in Spanien, käme in unserem Fall nach einem Ableben nach dem 17.8.2015 spanisches Erbrecht (eines der dort geltenden 7 Foralrechte) zur Anwendung.

Das Hanseatische Oberlandesgericht in Bremen entschied in einem solchen Fall:

Hat ein deutscher Erblasser ein Testament im Ausland (hier: Spanien) errichtet, das Rechtsfiguren enthält, die im ausländischen Erbrecht ihre Grundlage haben, führt das nicht zur Anwendung ausländischen Rechts, da die Testierfreiheit dem Testator nicht die Befugnis gibt, selbst zu entscheiden, nach welcher Rechtsordnung sich die Erbfolge und die erbrechtlichen Ansprüche richten sollen.

Hanseatisches Oberlandesgericht in Bremen, Urteil vom 06.12.2001 – 5 U 21/01,

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