Basiszinssatz: Er ist in der Niedrigzinsphase ein Witz und dennoch für die Unternehmensbewertung entscheidend

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[ 07.09.2013 ]

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

 

Kann man den Wert eines Unternehmens nicht aus Verkäufen ableiten, die im Jahr vor dem Erbfall oder Schenkungszeitpunkt erfolgten, richtet sich der Unternehmenswert für die Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer grundsätzlich nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren (Unternehmenswert = bereinigter Jahresertrag x Kapitalisierungsfaktor).

Das vereinfachte Ertragswertverfahren ist das nach den §§ 199 bis 203 des Bewertungsgesetzes für steuerliche Zwecke vorgesehe Verfahren zur Bewertung von

  • Einzelunternehmen,
  • Personengesellschaften,
  • nicht notierten Anteilen von Kapitalgesellschaften und
  • Betriebsvermögen der freien Berufe

Dieses vereinfachte Ertragswertverahren wird allerdings oft zu Überbewertungen führen, weil der Kapitalisierungsfaktor, mit dem der Jahresertrag multipliziert wird, viel zu hoch ist. Seit der Niedrigzinsphase sind die Überbewertungen nur noch ein Witz, bei dem einem allerdings das Lachen vergehen kann. Man kann immerhin den somit meist zu hohen Wert nach dem BewG durch ein Ertragswertgutachten widerlegen, zum Beispiel nach dem sogenannen Unternehmensbewertungsstandard IDW S1 des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW).

Im Rahmen des vereinfachten Ertraswertverfahrens wird der um mereren Faktoren bereinigte Jahresertrag der letzten drei Jahre (im wesentlichen. wird ein Ertragssteueraufwand von 30 % abgezogen) mit einem Kapitalisierungsfaktor multipliziert. Der Kapitalisierungsfaktor wird ermittelt aus einem Risikozuschlag von 4,5 %, zu dem man den aktuellen Basiszinssatz, der sich zum Beispiel für 2015 auf 0,99 belief, addiert.

Die Summe von 5,49 Prozent (Beispiel 2015) wird als Nenner eines Bruchs genommen, in dem der Zähler 100 beträgt. Das Ergebnis aus 100 / 5,49 ergibt den aktuellen Kapitalisierungsfaktor von 18,21493624 (in 2015).

Bei einem bereinigten Jahresertrag von 100.000 ergibt sich somit ein Unternehmenswert für die Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer von1.821.493,62 Euro (1,8 Mio. Euro!).

Der Basiszinssatz wird aus der langfristig erzielbaren Rendite öffentlicher Anleihen abgeleitet und von der Deutschen Bundesbank anhand der Zinsstrukturdaten jeweils zum ersten Börsentag des Jahres ermittelt und vom Bundesministerium der Finanzen veröffentlicht.

Der Basiszinssatz für das vereinfachte Ertragswertverfahren wurde für die Vorjahre wie folgt festgelegt:

Entwicklung des BasiszinssatzesJanuar 2015
0,99 %Januar 2014
2,59 %Januar 2013
2,04 %Januar 20122,44 %Januar 20113,43 %Januar 20103,98 %Januar 20093,61 %Januar 20084,58 %Januar 20074,02 %

 

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