Berliner Testament: Kann der Schlusserbe nach dem Tod des ersten Elternteils seinen Pflichtteil verlangen?

Berliner Testament und Pflichtteil

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby, Fachanwalt für Erbrecht, Radolfzell, Rottweil, Villingen-Schwenningen

Ja, ein pflichtteilsberechtigter Schlusserbe, der nach dem Tod des ersten Elternteils zunächst  ja nichts erhält, kann nach dem Tod des ersten Elternteils seinen Pflichtteil fordern (§ 2303 Abs. 1 S. 1 BGB). Durch die Erfüllung des Pflichtteilsanspruchs wird seine Stellung als Erbe des Überlebenden nicht berührt, daher kann er sich auf diese Weise gegenüber anderen Schlusserben einen Vorteil verschaffen. Ist nämlich angeordnet, dass alle Schlusserben gleiche Erbteile erhalten, so gilt dies auch für denjenigen, der bereits bei ersten Erbfall einen Pflichtteil erhalten hat. Eine Besserstellung eines Schlusserben kann mit Aufnahme einer Verwirkungsklausel ins Testament unterbunden werden: Wer den Pflichtteil nach dem ersten Elternteil fordert, verwirkt damit seine Schlusserbenstellung und ist  nach dem Tod des zweiten Elternteils auf den Pflichtteil verwiesen.

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