Brieftestament: Sogar auf der Postkarte kann ein Testament geschrieben werden

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby, Spezialist Erbrecht.

Das Brieftestament oder Postkartentestament ist eine vom Erblasser eigenhändig geschriebene und unterschriebene letztwillige Verfügung, die in Form eines Briefes erstellt wurde.

Schreibt der Vater in einem Brief an seinen Sohn, „Ich werde dich zum Erben einsetzen“, liegt wohl kein Testierwille vor, sondern er kündigt in dem Brief nur die Erbeinsetzung an. Schreibt er hingegen klar, dass er hiermit den Sohn in diesem Brief zum Erben einsetzt, spricht dies für das Vorhandensein von Testierwillen und es liegt ein wirksames Brieftestament vor.

Diese Testamentsform ist grundsätzlich zulässig. Ein Brieftestament kann sogar in einem Brief an ein Gericht errichtet werden, weil der Adressat des Briefes für die Frage der Wirksamkeit des Testaments grundsätzlich keine Rolle spielt.

Entscheidend ist – wie auch sonst – ob der Erblasser im Zeitpunkt der Testamentserrichtung Testierwillen hatte, also mit dem ernstlichen Willen handelte ein Testament zu errichten und eine letztwillige Anordnung zu treffen.

Beispielsweise
wurde der Brief eines Selbstmörders an die Polizei, in dem er die Motive für seinen Selbstmord darlegte und seine Frau zur Alleinerbin einsetzte,  vom Bayerischen Obersten Landesgericht als wirksame letztwillige Verfügung angesehen (BayObLG NJW-RR 1999, 1167).

 

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