Erbrecht in Zeiten von Corona

Gerhard Ruby, hier bei SWR Leute, Fachanwalt für Erbrecht in Villingen-Schwenningen zu Erben und Vererben in Zeiten von Corona

Fachanwalt Gerhard Ruby im STAZ-Interview.

Herr Ruby, hat sich durch Corona etwas an ihrer Tätigkeit als Fachanwalt für Erbrecht verändert?

Ruby: Es geht teilweise sehr turbulent zu. Die Arbeit ist auf jeden Fall nicht weniger geworden. Die einen drängen auf sofortige Termine, andere erscheinen einfach nicht zu vereinbarten Beratungsterminen; und wenn man dann nachfragt, heißt es lapidar, es ist doch Corona. Insgesamt haben wir aber viel mehr Arbeit.

Machen die Menschen jetzt mehr Testamente?

Auf jeden Fall. Die Leute haben jetzt Zeit Liegengebliebenes aufzuarbeiten und da gehört eben auch das Testament dazu. Interessanterweise wollen aber noch mehr Menschen im fortgeschrittenen Alter jetzt ihre Immobilien auf die Generation der Kinder übertragen. Das soll jetzt alles sehr schnell gehen.

Ist das nicht voreilig?

Grundsätzlich ist es immer gut, wenn die Vermögensnachfolge noch zu Lebzeiten der Eltern im Einvernehmen mit den Kindern geregelt wird. Das verhindert dann den berühmten Erbenstreit wenn die Eltern tot sind. Außerdem sichere ich in meinen Vertragsentwürfen die Elterngeneration ab. Die Eltern erhalten umfassende Nutzungsrechte an den Immobilien, z.B. den lebenslangen Nießbrauch oder ein Wohnungsrecht und ich empfehle immer, dass sich die Eltern das Recht vorbehalten, die übergebene Immobilie jederzeit wieder zurück holen zu können. Damit sind die Eltern weitestgehend abgesichert, haben aber die Angelegenheit im Normalfall steuerlich bereits jetzt geregelt. Man weiß ja nicht, was sich der Steuergesetzgeber als nächstes einfallen lässt. Es rollte ja ein enormer Geldbedarf des Staates auf uns zu und erfahrungsgemäß zahlen die Grundeigentümer die Zeche.

Und wie ist es mit den Testamenten?

Testamente werden ebenfalls zu Hauf nachgefragt. Gerade Ehegatten wünschen ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Berliner Testament. Ein gutes Testament, das Streit vermeidet, ist immer noch die wichtigste Vorsorge. Ebenso wichtig ist für die Elterngeneration aber auch eine Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung.

Ist das nicht das Gleiche, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung?

Eben nicht. Mit der Vorsorgevollmacht regeln die Kinder oder der Ehegatte alles selber im privaten Bereich, wenn der Vollmachtgeber nicht mehr selber handeln kann. Das Betreuungsgericht bleibt bei der Vorsorgevollmacht außen vor. Bei einer Betreuungsverfügung hingegen, bewirke ich letztlich, dass der Betreuer unter der Aufsicht des Betreuungsgerichts steht. Wie immer in der Juristerei hat das alles Vor- und Nachteile. Die Vorsorgevollmacht ist zunächst für den Bevollmächtigten bequemer, da er dem Betreuungsgericht keine Rechenschaft über die Verwendung der Gelder abgeben muss, wie wenn er Rechtsbetreuer ist. Das dicke Ende kommt dann aber oft nach dem Todesfall, wenn die Miterben verlangen, dass der Bevollmächtigte über seine Ausgaben für Vater oder Mutter Rechnung legen soll.

Wie laufen ihre Beratungen in der aktuellen Corona-Krise ab?

Meistens kommen die Mandanten nach wie vor persönlich zum Beratungsgespräch. Sehr viele nutzen aber die telefonische Beratung. Auch über Skype laufen Beratungen, aber das ist dann doch eher die Minderheit.

Hatten Sie aktuell Fälle in denen es um Leben und Tod ging?

Nein. Ich habe zwei Mandanten telefonisch beraten, die an Corona erkrankt sind. Aber beide leben Gott sei Dank noch. Notfälle, bei denen Menschen im Sterben liegen gibt es immer wieder. Dann bleibt nur das Nottestament vor drei Zeugen.

Hat die Corona-Krise sonst noch Auswirkungen auf Ihre Arbeit?

Derzeit werden alle Gerichtstermine landauf landab abgesagt. Alles dauert länger: Prozesse, Termine beim Notar, Erbscheinsverfahren, Akteneinsichten beim Nachlassgericht, einfach alles was mit Gerichten und Behörden zu tun hat.

Die Kanzlei für Erbrecht in Villingen-Schwenningen


Bei internationalen Erbfällen geht gar nichts mehr. In Italien z.B. beurkunden aktuell die Notar überhaupt nicht mehr und das wird bis Mitte Mai so bleiben.

Was raten Sie unseren Lesern?

Unbedingt eine kostengünstige Erstberatung im Erbrecht in Anspruch nehmen, das kostet nur 190 Euro plus MwSt. bringt aber ungemein viel für die Familie. Ansonsten möchte ich alle Staz-Leser bitten die Abstands- und Ausgangsregelungen einzuhalten, um die Pandemie einzudämmen.

RUBY. Die Kanzlei für Erbrecht. Vöhrenbacher Straße 4. 78050 Villingen-Schwenningen. Tel.: 07721 / 99 30 505. Mail: info@ruby-erbrecht.com. Webseite: www.ruby-erbrecht.com

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