Erbteilung: Die Ausgleichung nach der Witwe

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Manche Schenkungen, die die Kinder erhalten haben, sind nach dem Tod des Erblassers bei der Erbeilung auszugleichen. Das führt zu einer Anrechnung der Schenkungen auf den Erbteil nach den §§ 2050 ff. BGB. Dies ist immer der Fall, wenn bei der Schenkung die spätere Ausgleichung angeordnet wurde (im Schenkungsvertrag nachsehen!).

Hierzu ein Bespielsfall:

Witwe W hinterlässt K1 bis K5 als gesetzliche Erben. Reiner Nachlass 600. Als ausgleichungspflichtige Vorempfänge haben K1 450 (indexiert) und K2 300 (indexiert) erhalten. Wie ist der Nachlass aufzuteilen?

Lösung:

Anspruch K1: 600 Nachlass + 450 VE K1 + 300 VE K2 = 1.350 x 1/5 = 270

Es zeigt sich, dass sowohl K1 mit 450 als auch K2 mit 300 schon zu Lebzeiten mehr erhalten haben als ihnen mit 270 zustehen würde. Sie scheiden deshalb bei der Erbteilung aus, ohne zur Rückzahlung des Mehrempfangs verpflichtet zu sein, § 2056 S. 1 BGB. Unter den verbleibenden Kindern K3, K4 und K5 ist eine Neuberechnung vorzunehmen, § 2056 S. 2 BGB

Nachlasswert 600 x 1/3 = je 200 für K3, K4, K5

K1 und K2 erhalten also bei der Erbteilung nichts. K3 bis K5 teilen sich den Nachlass von 600.

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