Erbverzicht mit Folgen

Frage zum Erbverzicht:

Ich habe mit meinem Mann einen Ehevertrag mit Gütertrennung und Erbverzicht vereinbart. Jetzt ist er gestorben. Er hat mich in einem Testament zur Alleinerbin eingesetzt. Mein Mann hat drei Kinder aus erster, gechiedener Ehe. Gemeinsame Kinder haben wir nicht. Die Kinder wollen jetzt ihren Pflichtteil. Wie hoch ist er, bei einem Vermögen von 600.000 Euro?

Antwort:

Hätten Sie keinen Erbverzicht vereinbart, hätten sie nach dem Gesetz ein Viertel und die drei Kinder Ihres Mannes aus erster Ehe auch ein Viertel geerbt. Der Pflichtteil wäre dann für jedes Kind 1/8 gewesen.

Gerhard Ruby, Fachanwalt für Erbrecht zum Erbverzicht

Dummerweise haben Sie einen Erbverzicht vereinbart. Damit haben sie auf die Stellung als gesetzliche Erbin und Pflichtteilsberechtigte verzichtet. Sie werden so behandelt, als existierten sie überhaupt nicht. Das hat Auswirkungen auf den Pflichtteil der Stiefkinder. Der Pflichtteil wird jetzt so berechnet als gäbe es sie gar nicht. Wären Sie nicht vorhanden, hätten die drei Kinder nach dem Gesetz zu je 1/3 beerbt. Der Pflichtteil ist immer die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, also 1/3 x 1/2 = 1/6. Jedes der Kinder hat einen Pflichtteil von 1/6 aus 600.000 Euro, kann also gegen Sie 100.000 Euro geltend machen. Machen alle Kinder den Pflichtteil geltend ist die Hälfte des Nachlasses, also 300.000 Euro, weg.

Der Erbverzicht kommt Sie also teuer zu stehen.

RUBY. Die Kanzlei für Erbrecht. Vöhrenbacher Str. 4. 78050 Villingen-Schwenningen. Tel.: 07721 / 99 30 505

Menü