Familienpool: Alle sitzen zusammen in der Badewanne der Familiengesellschaft

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[ 29.06.2010 ]

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

 

Ein sogenannter „Familienpool“ ist nichts anderes als eine Familiengesellschaft. Beim Familienpool wird eine Gesellschaft gegründet. Die Mitglieder sind in der Regel der Übergeber selbst und die Mitglieder aus seiner Familie, die langfristig seine Nachfolger werden sollen. Er ist eine Vertragsgestaltung zur Vermögensnachfolge unter Lebenden. Der Familienpool ist also regelmäßig eine vermögensverwaltende Familiengesellschaft, in die der Übergeber das zu übertragende Vermögen einbringt. Künftig ist also nicht mehr der Übergeber Eigentümer des Vermögens, sondern die Gesellschaft, sprich: der Familienpool.

Das Besondere beim Familienpool ist, dass die Übertragung des  Familienvermögens nur noch durch Ein- und Austritt von Gesellschaftern bzw. durch Änderung der jeweiligen Beteiligungsquoten gesteuert wird. Der Familienpool kann in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, einer Kommanditgesellschaft oder einer GmbH & Co. KG unter bestimmten Umständen auch als GmbH oder AG konzipiert werden. Welche Gesellschaftsform gewählt wird, hängt von den zu beteiligenden Personen, dem zu übertragenden Vermögen und dessen Steuerbelastung ab.

Vorteil 1: Vermögen bleibt im Familienkreis
Werden die Grundstücke von den Eltern unter Nießbrauchsvorbehalt auf die Kinder übertragen, führt dies zu einer Zersplitterung des Familienvermögens (So viele Kinder, so viele Vermögenssplitter !).  Im Gegensatz hierzu besteht bei Gründung einer Familiengesellschaft Gesamthandsvermögen. Dieses Gesamthandsvermögen kann erbrechtlich mit der Sondererbfolge in Anteile am Familienpool vor einer Zersplitterung bewahrt werden. Das Gesamthandsvermögen bietet Regelungsmöglichkeiten, die bei der Bruchteilsgemeinschaft nicht erzielt werden können. Der Gesellschaftsvertrag erlaubt vielfältige Regelungen, die der Erhaltung des Vermögens in der Familie dienen. Vertragsinhalte des Gesellschaftsvertrages der Familiengesellschaft können zum Beispiel  Regelungen sein, die der Stabilisierung der Gesellschaft durch Einschränkung von Kündigungsrechten und Ausschlussrechten bei gesellschaftsschädigendem Verhalten dienen, sowie die Beschränkung des Gesellschaftskreises auf Familienmitglieder durch Nichtzulassung von Anteilsveräußerungen, eingeschränkte Vererbungsregelungen, durch die verhindert werden kann, dass das Vermögen auf Nichtfamilienangehörige übergeht

Vorteil 2: Übertragen und dennoch bestimmen
Der Schenker/Übergeber kann ferner als Geschäftsführer weiterhin allein die Geschäfte regeln und auch Umschichtungen im Vermögen vornehmen. Der Familienpool ist so eine rechtliche Konstruktion, die eine wirtschaftliche Übertragung des Vermögens auf die Kinder unter Beibehaltung vollständiger Verfügungsmacht der Eltern zu Lebzeiten ermöglicht .

Vorteil 3: Einkommensteuer sparen
Außer wirtschaftlichen Vorteilen, die sich aus der Gründung einer Familiengesellschaft ergeben können, ergeben sich aus dieser Form der schrittweisen Unternehmensübergabe auch ertragssteuerliche Vorzüge. Durch die Progression im Einkommensteuersatz kann es vorteilhaft sein, das gleiche Einkommen auf mehrere Steuerpflichtige innerhalb dieser Familiengesellschaft zu verteilen und so insgesamt weniger Steuern zu zahlen.

Vorteil 4: Erbschaftsteuer sparen
Der Familienpool bietet zudem die Möglichkeit Erbschaftssteuerfreibeträge durch entsprechende Beteiligungsverhältnisse zielgenau auszunutzen und im 10-Jahresrythmus die Aufstockung wiederholen.

Wie funktioniert es ?
Das Familienvermögen wird von der Elterngeneration in eine gewerblich geprägte Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegen Gewährung von Gesellschaftsrechten eingebracht. Grunderwerbsteuer fällt hierbei nicht an. Die Gesellschaftsanteile können dann in einen weiteren Schritt teilweise auf die Kinder schenkweise übertragen werden. Hierbei kann die GbR sowohl steuerliches Betriebsvermögen haben (z.B. bei gewerblicher Prägung durch eine Kapitalgesellschaft als Gesellschafter) oder auch als rein vermögensverwaltende Gesellschaft ohne Betriebsvermögen tätig sein. Die Gründung einer solchen Familiengesellschaft kann die Übertragung und das Halten von Grundstücken, Kontoguthaben, Anteilen an Kapitalgesellschaften oder beweglichen Gegenständen zum Ziel haben. Es ist daher möglich, Gesellschaften zu gründen, die als Grundstücksverwaltungsgesellschaften, Anteilsverwaltungsgesellschaften, z.B. über GmbH-Anteile, Kontoverwaltungsgesellschaften fungieren.

 

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