Firmenwert: So rechnet das Finanzamt

Druckansicht öffnen 

[ 29.06.2010 ]

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

 

Der Wert Ihrer Firma wird im Schenkungs- und Erbfall i.d.R. nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren ermittelt (Ausnahme Kammerberufe oder Börsenpreise für die Firma liegen vor). Das vereinfachte Ertragswertverfahren ist im Bewertungsgesetz in den §§ 200 bis 203 BewG geregelt (siehe auch die Abschnitte 19 bis 23 AEBewAntBV). Es geht von den Betriebsergebnissen der letzten drei Jahre aus und errechnet einen typisierenden Ertragswert.

1. Ausgangspunkt der Berechnung
ist das durchschnittliche Betriebsergebnis der letzten drei Jahre. Dabei wird das für jedes Jahr maßgebliche Betriebsergebnis nach folgender Grundstruktur errechnet:

Ausgangswert Steuerbilanzgewinn (ohne Einnahmen aus nicht notwendigem Betriebsvermögen, z.B. Miete)
zzgl. Sonderabschreibung
zzgl. Abschreibung auf den Geschäftswert
./. Sondergewinne
./. angemessener Unternehmerlohn (ca. 80.000 Euro)
./. ersparter Lohnaufwand durch unbezahlte Mitarbeit der Ehefrau
= vorläufiges Betriebsergebnis
./. pauschaler Ertragsteueraufwand von 30 % (§ 202 Abs. 3 BewG)
= maßgebliches Betriebsergebnis für ein Jahr

So sind für die letzten drei Wirtschaftsjahre vor dem Bewertungsstichtag die Betriebsergebnisse zu erzielen und durch drei zu teilen. Ist Bewertungsstichtag der 9.6.2010 sind die Betriebsergebnisse aus den Wirtschaftsjahren 2007, 2008 und 2009 zu ermitteln, um den nachhaltig erzielbaren Jahresertrag als Durchschnittswert dieser drei Wirtschaftsjahre zu erhalten.

2. Kapitalisierungsfaktor = 100 / Kapitalisierungszinssatz
Dabei wird der Kapilisierungszinssatz wie folgt errechnet:
Basiszinssatz, der zum Jahresanfang vom BMinFin veröffentlicht wird (z.B. für 2009: 3,61 Prozent)
zzgl. Risikozuschlag gem. BewG: 4,5 Prozent
= Kapitalisierungszinssatz (für 2009 somit 8,11 %)

100 / 8,11 = 12,33 ist der Kapitalisierungsfaktor für 2009.

Dem so errechneten Ertragswert ist der Steuerwert nicht notwendigen Betriebsvermögens (z.B. Mietgrundstück) hinzuzurechnen (wurde am Anfang herausgenommen s.o.).

3. Hinweis
Kriegen Sie bitte keinen Herzinfarkt, wenn Sie mit diesen unrealistischen Rechenformeln der Finanzverwaltung Ihren Firmenwert berechnen. Der wirkliche Firmenwert (der meist um die Hälfte niederiger ist) kann durch ein Gutachten nachgewiesen werden.

 

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Menü