Gemeiner Wert

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[ 02.09.2013 ]

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

 

1 Erbschaft- und Schenkungsteuer: Was ist eigentlich der „gemeine Wert“?

Der „gemeine Wert“ ist der Bewertungsmaßstab, nach dem Erbschafts- oder Schenkungsgegenstände für Zwecke der Erbschaft- und Schenkungsteuer nach dem Bewertungsgesetz bewertet werden.

§ 9 BewG Bewertungsgrundsatz, gemeiner Wert
   (1) Bei Bewertungen ist, soweit nichts anderes vorgeschrieben ist, der gemeine Wert zugrunde zu legen.
   (2) Der gemeine Wert wird durch den Preis bestimmt, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach der Beschaffenheit des Wirtschaftsgutes bei einer Veräußerung zu erzielen wäre. Dabei sind alle Umstände, die den Preis beeinflussen, zu berücksichtigen. Ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse sind nicht zu berücksichtigen.
   (3) Als persönliche Verhältnisse sind auch Verfügungsbeschränkungen anzusehen, die in der Person des Steuerpflichtigen oder eines Rechtsvorgängers begründet sind. Das gilt insbesondere für Verfügungsbeschränkungen, die auf letztwilligen Anordnungen beruhen.

Der gemeine Wert ist also nicht gemein im Sinne von bösartig, sondern als der allgemeine, der gewöhnliche Wert, den eine Sache hat, zu verstehen. Es ist der Preis der gewöhnlich für diese Sache gezahlt wird. Dabei sind Verfügungsbeschränkungen (z.B. Vorerbschaft, Nachlassverwaltung, Teilungsverbot des Erblassers für 10 Jahre oder Anordnung der Testamentsvollstreckung für 30 Jahre) nicht wertmindernd zu berücksichtigen.

Bei der Ermittlung des gemeinen Werts für die Erbschaft- und Schenkungsteuer unterscheidet man

  • Grundbesitz =
    Grundstücke, Betriebsgrundstücke, Betriebe der Land- und Forswirtschaft
    Wertermittlung nach §§ 158 bis 198 BewG
  • Betriebsvermögen =
    Gewerbebetriebe, freiberufliches Vermögen
    Wertermittlung nach §§ 11, 109, 199 bis 203 BewG
  • übriges Vermögen =
    Anteile an Kapitalgesellschaften, Wertpapiere, Schmuck, Privatforderungen
    Wertermittlung nach §§ 9 bis 16 BewG 

 

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