Welches Erbrecht gilt? Das deutsche oder das ausländische?

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Fachanwalt für Erbrecht Gerhard Ruby, Villingen, Rottweil, Radolfzell, Konstanz

Achtung: Dieser Artikel schildert die Rechtslage bis 2015

Das internationale Erbrecht (siehe auch Internationales Privatrecht) beschäftigt sich mit der Frage, welches nationale Recht zur Anwendung kommt, wenn ein Erbfall Auslandsberührung hat. Stirbt ein Ausländer in Deutschland stellt sich die Frage, ob er nach deutschem oder ausländischem Erbrecht beerbt wird. In Deutschland gilt grds. das sogenannte

  • Staatsangehörigkeitsprinzip.

Aus der Sicht der deutschen Gerichte gilt also grds. ausländisches Erbrecht, wenn ein Ausländer in Deutschland stirbt. Wir wenden in Deutschland also italienisches, französisches, serbisches, kroatisches, thailändisches und sonstiges Erbrecht an, wenn der Erblasser ausländischer Staatsangehöriger war. Es gibt aber auch Sonderregelungen in

  • bilateralen Staatsverträgen, 

die dieser allgemeinen Regel vorgehen. Besonders wichtig ist das Abkommen mit der

  • Türkei.

Hiernach würden bewegliche Sachen wie Geld grds. nach dem Staatsangehörigkeitsrecht vererbt und Grundstücke grds. nach dem Recht des Ortes, in dem das Grundstück liegt.

  • Rechtswahl:

Nach den allgemeinen Grundsätzen kann der ausländische Erblasser für in Deutschland belegene Grundstücke deutsches Recht wählen. Dann würden die deutschen Grundstücke nach deutschem Erbrecht vererbt.

Testamente, die deutschen Formerfordernissen nicht genügen, können wirksam sein, wenn der ausländische Erblasser nach seinem Heimatrecht wirksam testiert hat und unter das sogenannte

  • Haager Testamentsformübereinkommen 

fällt. Ausländisches Erbrecht findet aber in Deutschland seine Grenzen, wenn es mit den wesentlichen Rechtsvorstellungen des Grundgesetzes nicht mehr vereinbar ist, d.h. wenn es gegen den so genannten

  • „ordre public“ 

verstößt, z.B. wenn nach einer ausländischen Rechtsordnung Frauen weniger als Männer erben  oder überhaupt nicht erben könnten, würden diese ausländischen Rechtsvorschriften in Deutschland nicht angewendet werden.

Zu beachten ist, dass es zu so genannten

  • Nachlassspaltungen 

kommen kann. So wird, auch wenn der Erblasser Deutscher ist, eine in Frankreich belegene Immobilie, die ihm gehört, immer nach französischem Erbrecht vererbt. Diese komplizierte Rechtslage wird sich ab dem

  • 17.08.2015 

vereinfachen. Dann gilt die

  • Europäische Erbrechtsverordnung. 

Der Erblasser wird dann nach dem Recht des Staates beerbt, in dem er sich aufhält. Rentner, die ihren Lebensabend zB. in

  • Spanien 

verbringen, werden dann nach spanischem Recht beerbt. Allerdings haben Sie das Recht ihrer Heimatsrecht, also das deutsche Erbrecht, als für ihren Erbfall maßgeblich zu wählen. Hier ist also Vorsicht geboten. Ab 17.08.2015 richtet sich für EU-Bürger also das Erbrecht nach dem Aufenthaltsort.

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