Miterbe: Das Kreuz mit der Erbengemeinschaft

Miterbe: Das Kreuz mit der Erbengemeinschaft

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby, Fachanwalt für Erbrecht, Rottweil, Villingen, Radolfzell

Miterbe

Der Miterbe ist eine von mehreren Mitgliedern der Erbengemeinschaft. Die Erbengemeinschaft ist nach deutschem Erbrecht eine Mehrzahl von Personen (Erben oder Miterben), die gemeinschaftlich (Gesamthandsgemeinschaft) in Rechte und Pflichten (Nachlass) eines Verstorbenen (Erblasser) eintreten (§ 2032 BGB).

Die eine Erbengemeinschaft bildenden Erben werden als Miterben (Gegensatz: Alleinerbe) bezeichnet (§§ 2032 bis 2063 BGB).

1. Gesamthandsgemeinschaft

Die Miterben werden nicht etwa gemeinschaftliche Eigentümer an den Nachlassgegenständen, sondern nur am gesamten Nachlass. Jeder Miterbe kann daher über seinen Anteil am Nachlass (den sog. Erbteil oder Erbanteil) verfügen, nicht jedoch über seinen Anteil an einzelnen Nachlassgegenständen (z. B. Anteil an einem Stuhl).

Die Erbengemeinschaft ist im Gegensatz zur BGB-Gesellschaft nicht rechtsfähig. Gründe hierfür sind, dass die Erbengemeinschaft kraft Gesetz entsteht und nicht auf Dauer angelegt ist, sondern das Ziel hat, das Erbe unter den Erben zu verteilen (Auseinandersetzung). Die BGB-Gesellschaft hingegen wird rechtsgeschäftlich begründet und ist zumeist auf Dauer angelegt, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen. Dies schließt jedoch nicht aus, dass sich die Mitglieder einer Erbengemeinschaft zu einer BGB-Außengesellschaft zusammenschließen.

2. Verwaltung

Die Miterben verwalten den Nachlass gemeinschaftlich, wobei jeder Miterbe über Maßnahmen der ordnungsmäßigen Verwaltung entsprechend seinem Erbteil stimmberechtigt ist (§ 2038 BGB).

3. Prozess- und Vollstreckungsstandschaft

Unabhängig von der Zustimmung der anderen Miterben kann ein Miterbe Rechte der Erbengemeinschaft in eigenem Namen gerichtlich geltend machen (aktive Prozessstandschaft), wobei er allerdings (der materiellen Rechtslage entsprechend) nur verlangen kann, dass an die Erbengemeinschaft geleistet wird (§ 2039 BGB).

So wie der einzelne Miterbe als Prozessstandschafter für alle Miterben auftreten kann, kann er auch die Zwangsvollstreckung alleine betreiben. Dabei ist es unerheblich, ob der Vollstreckungsitel von ihm alleine oder von allen Miterben zusammen erwirkt wurde. Es besteht eine gesetzliche Vollstreckungsstandschaft (KG, NJW 1957, 1157).

4. Auseinandersetzung

Die Erbengemeinschaft ist grundsätzlich darauf angelegt, den Nachlass durch ihre Auseinandersetzung zu verteilen und dadurch die Erbengemeinschaft zu beendigen.

Eine Erbengemeinschaft kann grundsätzlich auf drei Arten auseinandergesetzt werden.

  • Durch eine schuldrechtliche Erbauseinandersetzung nach § 2042 BGB
  • Durch eine Erbanteilsübertragung nach § 2033 BGB
  • Durch das einvernehmliche Ausscheiden eines Erben aus der Erbengemeinschaft (sogenannte Abschichtung)

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