Nacherbfall: Welche Pflichten bestehen zwischen Vor- und Nacherben?

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Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Einen Nacherbfall gibt es, wenn vom Erblasser im Testament Vor- und Nacherbschaft angeordnet ist. Der Erblasser setzt also eine Person zum Vorerben ein und wird von diesem beerbt. Beim Eintritt eines bestimmten Ereignisses, dem Nacherbfall, hört der Vorerbe auf, Erbe des Erblassers zu sein und der Erblasser wird (ein zweites Mal) vom Nacherben beerbt.

Die Erbschaft fällt dem Nacherben also mit dem Nacherbfall an. Lesen Sie hier, welche Wirkungen der Eintritt des Nacherbfalls rechtlich hat und welche Rechte und Pflichten zwischen Vorerben und Nacherben ab dem Nacherbfall entstehen.

§ 2139 BGB Wirkung des Eintritts der Nacherbfolge
Mit dem Eintritt des Falles der Nacherbfolge hört der Vorerbe auf, Erbe zu sein, und fällt die Erbschaft dem Nacherben an.

Der Nacherbe wird damit uneingeschränkter Inhaber des Nachlasses. Der Erwerb geschieht automatisch, also ohne dass er etwas dazu tun muss, kraft Gesetztes und bedarf keiner weiteren Übertragungsakte.

Der Vorerbe muss dem Nacherben nach Eintritt des Nacherbfalls  idie Erbschaft in ordentlichem Zustand herausgeben.

§ 2130 BGB Herausgabepflicht nach dem Eintritt der Nacherbfolge, Rechenschaftspflicht
(1) Der Vorerbe ist nach dem Eintritt der Nacherbfolge verpflichtet, dem Nacherben die Erbschaft in dem Zustand herauszugeben, der sich bei einer bis zur Herausgabe fortgesetzten ordnungsmäßigen Verwaltung ergibt. Auf die Herausgabe eines landwirtschaftlichen Grundstücks findet die Vorschrift des § 596a, auf die Herausgabe eines Landguts finden die Vorschriften der §§ 596a, 596b entsprechende Anwendung.
(2) Der Vorerbe hat auf Verlangen Rechenschaft abzulegen.

Der Nacherbe kann jetzt als Eigentümer der zum Nachlass gehörenden Sachen Gegenstände, die sich bei anderen befinden, von diesen herausverlangen.

Wenn der Erblasser den Nacherben für das eingesetzt hat, was von der Erbschaft bei Eintritt der Nacherbfolge übrig sein wird, spricht man von einer befreiten Vorerbschaft. Der  Vorerbe wurde mit dieser Anordnung von allen Beschränkungen befreit, von denen er befreit werden kann. Dann muss der befreite Vorerbe an den Nacherben nur die noch vorhandenen Erbschaftsgegenstände herausgeben.

§ 2138 BGB Beschränkte Herausgabepflicht
(1) Die Herausgabepflicht des Vorerben beschränkt sich in den Fällen des § 2137 auf die bei ihm noch vorhandenen Erbschaftsgegenstände. Für Verwendungen auf Gegenstände, die er infolge dieser Beschränkung nicht herauszugeben hat, kann er nicht Ersatz verlangen.
(2) Hat der Vorerbe der Vorschrift des § 2113 Abs. 2 zuwider über einen Erbschaftsgegenstand verfügt oder hat er die Erbschaft in der Absicht, den Nacherben zu benachteiligen, vermindert, so ist er dem Nacherben zum Schadensersatz verpflichtet.

Wurde der Vorerbe jedoch nicht von den Beschränkungen befreit, schuldet er Wertersatz, wenn er einen Erbschaftsgegenstand für sich verwendet hat.

§ 2134 BGB Eigennützige Verwendung
Hat der Vorerbe einen Erbschaftsgegenstand für sich verwendet, so ist er nach dem Eintritt der Nacherbfolge dem Nacherben gegenüber zum Ersatz des Wertes verpflichtet. Eine weitergehende Haftung wegen Verschuldens bleibt unberührt.

Auch haftet der Vorerbe dem Nacherben darüber hinaus, wenn er seine Pflicht zur ordnungsgemäßen Verwaltung des Nachlasses schuldhaft verletzt hat und deshalb seine Herausgabepflicht nicht erfüllen kann und muss den deswegen entstandenen Schaden ersetzen. Allerdings gilt zu Gunsten des Vorerben ein minderer Sorgfaltsmaßstab.

§ 2131 BGB Umfang der Sorgfaltspflicht
Der Vorerbe hat dem Nacherben gegenüber in Ansehung der Verwaltung nur für diejenige Sorgfalt einzustehen, welche er in eigenen Angelegenheiten anzuwenden pflegt.

Veränderungen oder Verschlechterungen von Erbschaftssachen, die durch eine ordnungsgemäße Benutzung entstanden sind hat der Vorerbe nicht zu verantworten.

Hat der Vorerbe gewöhnliche Erhaltungskosten für Nachlassgegenstände übernommen, so muss er diese tragen.

§ 2124 BGB Erhaltungskosten
(1) Der Vorerbe trägt dem Nacherben gegenüber die gewöhnlichen Erhaltungskosten.
(2) Andere Aufwendungen, die der Vorerbe zum Zwecke der Erhaltung von Erbschaftsgegenständen den Umständen nach für erforderlich halten darf, kann er aus der Erbschaft bestreiten. Bestreitet er sie aus seinem Vermögen, so ist der Nacherbe im Falle des Eintritts der Nacherbfolge zum Ersatz verpflichtet.

Bei außergewöhnlichen Erhaltungskosten (bspw. hohe Kosten verursachende Reparaturen oder Instandsetzungsarbeiten) kann er sich aber aus der Erbschaft bedienen, bzw. der Nacherbe hat ihm diese zu ersetzen, wenn er die Kosten mit eigenen Mitteln gedeckt hat.

Bei weder gewöhnlichen noch außergewöhnlichen Erhaltungskosten (dieser Fall liegt bspw. bei einer Modernisierung oder Umgestaltung eines Betriebs vor) kann der Vorerbe bei Eintritt des Nacherbfalls Ersatz vom Nacherben verlangen.

§ 2125 BGB Verwendungen; Wegnahmerecht
(1) Macht der Vorerbe Verwendungen auf die Erbschaft, die nicht unter die Vorschrift des § 2124 fallen, so ist der Nacherbe im Falle des Eintritts der Nacherbfolge nach den Vorschriften über die Geschäftsführung ohne Auftrag zum Ersatz verpflichtet.
(2) Der Vorerbe ist berechtigt, eine Einrichtung, mit der er eine zur Erbschaft gehörende Sache versehen hat, wegzunehmen.

(§§ 2125 Abs. 1, 677 ff. BGB).

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