Patchwork-Testamente: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Patchwork-Testamente. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Patchwork-Testamente

1. Ich bin geschieden und muss meinem Ex-Gatten Unterhalt zahlen. Geht diese Schuld auf meine Erben über?

Ja. Mit dem Tod endet die Unterhaltspflicht gegenüber dem geschiedenen Ehegatten nicht, sondern geht auf Ihre Erben über. Ihre Erben haften aber nur begrenzt. Sie müssen höchstens so lange Unterhalt zahlen, bis der Pflichtteil erreicht ist, den Ihr Exgatte bekommen hätte, wenn die Ehe nicht geschieden worden wäre. Das ist in der Regel 1/8 des Erbes

2. Kann meine geschiedene Ex-Frau etwas von mir erben?

Normalerweise nicht. Bei gesetzlicher Erbfolge ist es aber möglich, nämlich auf dem Umweg über gemeinsame Kinder. Ein Beispiel: Kommen zunächst Sie und kurz danach ihr einziges Kind bei einem gemeinsamen Unfall um, erbt ihr Kind zunächst alles von ihnen. Nach dem Gesetz erbt die Ex-Frau als Mutter dann alles, was zunächst ihr Kind geerbt hatte, also Ihr gesamtes Vermögen. Dies kann durch ein Geschiedenentestament verhindert werden.

3. Wer verwaltet nach meinem Tod das Erbe meiner minderjährigen Kinder, wenn ich geschieden bin?

Ihr Ex-Gatte. Die elterliche Sorge für minderjährige Kinder geht beim Tod eines Elternteils auf den überlebenden Elternteil über. Dazu gehört auch die Vermögenssorge über Ihren Nachlass. Sie können in einem Testament aber anordnen, dass sich die Vermögenssorge Ihres Ex-Gatten gerade nicht auf das Erbe erstrecken soll, sondern von einer anderen Person ausgeübt werden soll, z.B. einem Testamentsvollstrecker.

4. In unserer Patchwork-Familie hat jeder Kinder aus erster Ehe. Ist ein Berliner Testament sinnvoll?

Wenn Sie verheiratet sind, können Sie ein Berliner Testament errichten, in dem Sie beide sich gegenseitig zu Alleinerben einsetzen und die Kinder aus beiden Ehen zu Schlusserben nach dem Tod des überlebenden Ehegatten. Allerdings kann es Schwierigkeiten wegen des Pflichtteilrechts geben. Wenn z.B. der Mann zwei Kinder hat und die Frau ein Kind, beerben sich beim Berliner Testament zuerst die Eheleute als Alleinerben, z.B. die Ehefrau den zuerst versterbenden Mann. Wollten die Eheleute die drei Kinder gleich behandeln und setzen sie alle drei als Schlusserben zu 1/3 ein, entsteht folgendes Problem: Die Ehefrau hatte nur ein Kind, dessen Pflichtteil nach ihrem Tod die Hälfte des Gesamtnachlasses beträgt. Das Kind der Frau kann dann die Hälfte verlangen und die Stiefgeschwister erhalten nur jeweils 1/4. Das ist bei der Testamentsgestaltung zu beachten.

5. Nach der Scheidung haben sich meine Kinder von mir abgewandt. Kann ich nur meine „neue Familie“ im Testament bedenken?

Jein. Zwar ist ihr Ex-Gatte durch die Scheidung völlig enterbt, Ihre Kinder aus der ersten Ehe sind aber nach wie vor pflichtteilsberechtigt. Also auch wenn Sie nur Ihren neuen Ehegatten und dessen Kinder im Testament zu Erben einsetzen, haben Ihre eigenen Kinder den Anspruch auf den Pflichtteil Den Pflichtteil der Kinder aus erster Ehe könnten Sie allerdings durch die Adoption der Kinder Ihres neuen Ehegatten verringern.

6. Wie können wir in unserer Patchwork-Ehe verhindern, dass die Kinder des anderen ihren Pflichtteil geltend machen?

Mit den üblichen Pflichtteilsstrafklauseln eines Berliner Testamens funktioniert das nicht. Hierdurch können nur die Kinder des Erstversterbenden an die Leine gelegt werden. Durch kluge Gestaltungen kann aber ein ähnlicher Effekt erreicht werden.

7. Kann ich ein Testament zu Gunsten meines neuen Ehepartners errichten?

Normalerweise ja. Ist der erste Ehegatte aber verstorben und lag ein Berliner Testament vor, in dem die Kinder aus erster Ehe zu Schlusserben eingesetzte sind, dann kann der überlebende Ehegatte kein neues Testament mehr errichten. Wurde die erste Ehe aber geschieden, kann der neue Ehegatte in aller Regel als Erbe eingesetzt werden.

8. Wie komme ich aus der Bindung eines Berliner Testaments mit meinem verstorbenen Ehegatten heraus?

Entweder durch einen Zuwendungsverzichtsvertrag mit den testamentarisch bedachten Erben oder durch Anfechtung. Ein Berliner Testament kann bei einer neuen Heirat oder bei Geburt oder Adoption neuer Kinder angefochten werden. Allerdings hat die Anfechtung auch große Nachteile, da sie das gesamte Testament vernichtet, so dass der überlebende Ehegatte nicht mehr Alleinerbe des verstorbenen Ehegatten ist.

9. Spielt es eine Rolle, ob ich meinen neuen Partner heirate?

Durchaus. Sie können zwar ihren neuen Partner oder dessen Kinder auch ohne Heirat in einem Testament bedenken. Aber dann steht Ihren Kindern aus erster Ehe auf jeden Fall ein Pflichtteil im Wert der Hälfte des Nachlasses zu. Heiraten Sie hingegen, dann reduziert sich diese Pflichtteilslast auf 25 %. Auch kann der neue Partner nur als Ehegatte das Familienheim und weitere 500.000 Euro steuerfrei erben. Als Lebensgefährt hat er nur einen steuerlichen Freibetrag von 500.000 Euro.

10.Werden meine Kinder aus erster Ehe und meine Stiefkinder aus der zweiten Ehe gleich behandelt?

Im Erbrecht nicht. Da haben nur ihre Kinder aus erster Ehe ein gesetzliches Erbrecht und Pflichtteilsrecht. Das Gut fließt eben (nur) wie das Blut.
Steuerlich sind aber Ihre Stiefkinder ihren leiblichen Kindern beim Erben gleichgestellt. Stiefkinder fallen wie eigene Kinder in die günstige Steuerklasse I mit einem Steuerfreibetrag in Höhe von 400.000 EUR je Kind.

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Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

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