Pflichtteil der enterbten Witwe

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Ehemann V stirbt und hat seine Ehefrau W enterbt. Die beiden lebten ohne Ehevertrag im normalen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Erben sind die Kinder K1 bis K3. Der Nachlass des V beträgt 92. Anfangsvermögen des V bei Eingehung der Ehe und damit der Zugewinngemeinschaft war 80, Anfangsvermögen W bei Heirat war Null.  V hat der W während der ehe 8 als Vorempfang zugewandt und bestimmt, dass diese Zuwendung nach § 2315 BGB einen auf den Pflichtteil anrechenbaren Vorempfang für W darstellt. Welche Forderung hat W gegen den Nachlass?

Lösung:

Auf den Pflichtteil anrechenbarer Vorempfang der W 8. Damit Nachlass 100 ./. 8 = 92. Anfangsvermögen V 80, W 0. Zugewinn W 0.

  • –Zugewinnausgleichsanspruch: 12 echter Zugewinn (92 ./. 80), keine Berücksichtigung des Vorempfangs, damit ZGA ½ x 12 = 6 (RGRK/Johannsen, § 2315 Rn. 8; Staudinger/Cieslar, § 2315 Rn. 99)
  • ordentlicher Pflichtteil:
    – Nachlasswert, § 2311 BGB: Aktiva ./. Passiva (ZGA) = 92 ./. 6 = 86
    – § 2315 BGB: Nettonachlass 86 + 8 VE = 94 fiktiv x 1/8 PtQ
    = 11,75 ./. 8 VE = 3,75
  • – Gesamtanspruch W: 6 ZGA + 3,75 PT = 9,75 (+ 8 VE = 17,75 < 21,25)

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