Pflichtteil und Zugewinn – Was bekommt die enterbte Witwe?

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Ehemann V stirbt und hat seine Ehefrau W enterbt. Die beiden lebten ohne Ehevertrag im normalen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Erben sind die Kinder K1 bis K3. Nachlass 100. Anfangsvermögen des V bei Eingehung der Ehe und damit der Zugewinngemeinschaft war 80, Anfangsvermögen W bei Heirat war Null. W hat während der Ehe keinen Zugewinn erzielt. Welche Forderung hat W gegen den Nachlass?

Lösung:

  • Nachlass V = Endvermögen V = 100. Anfangsvermögen V 80,
  • Anfangsvermögen W 0. Endvermögen W 0.

–  § 1371 BGB Zugewinnausgleich im Todesfall (1) …
(2) Wird der überlebende Ehegatte nicht Erbe und steht ihm auch kein Vermächtnis zu, so kann er Ausgleich des Zugewinns nach den Vorschriften der §§ 1373 bis 1383, 1390 verlangen; der Pflichtteil des überlebenden Ehegatten oder eines anderen Pflichtteilsberechtigten bestimmt sich in diesem Falle nach dem nicht erhöhten gesetzlichen Erbteil des Ehegatten.

  • –Ausgleichsforderung der Witwe W aus dem Zugewinnausgleich:
    100 ./. 80 = 20 x ½ ZGA (§ 1378 I BGB) = 10
  • Pflichtteil der Witwe W:
    – § 2311 BGB: Aktivnachlass ./. Nachlassverbindlichkeiten (ZGA) = 100 ./. 10 = 90
    – Pt-Quote 1/8 (§§ 2303, 1931 I BGB) x 90 = 11,25

–Gesamtanspruch der W: 10 ZGA + 11,25 PT = 21,25

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