Pflichtteil: Wie Geschenke angerechnet werden

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Eltern können bei einer Zuwendung, z.B. eines Hauses oder Baugrundstückes oder auch Geld, anordnen, dass die Zuwendung auf den Pflichtteil anzurechnen ist.

§ 2315 BGB Anrechnung von Zuwendungen auf den Pflichtteil

(1) Der Pflichtteilsberechtigte hat sich auf den Pflichtteil anrechnen zu lassen, was ihm von dem Erblasser durch Rechtsgeschäft unter Lebenden mit der Bestimmung zugewendet worden ist, dass es auf den Pflichtteil angerechnet werden soll.

(2) Der Wert der Zuwendung wird bei der Bestimmung des Pflichtteils dem Nachlass hinzugerechnet. Der Wert bestimmt sich nach der Zeit, zu welcher die Zuwendung erfolgt ist.

(3) Ist der Pflichtteilsberechtigte ein Abkömmling des Erblassers, so findet die Vorschrift des § 2051 Abs. 1 entsprechende Anwendung.

Wie diese Anrechnung vollzogen wird, zeigt das folgende

Beispiel:

Die Eltern V und W haben drei Kinder K1 bis K3. Das Kind K1 hat als Geschnk 60mit der Bestimmung erhalten, dass sie später auf den Pflichtteil anzurechnen sind. W wird testamentarische Alleinerbin. Nachlass 600. Wie hoch ist der Pflichtteil von K1.

Lösung:

Pflichtteil von K1:

–   600 realer Nachlass + 60 Vorempfang K1 = 660

–   660 X 1/12 = 55

–    55 ./. 60 Vorempfang K1  = Null (keine Rückzahlung)

–   K2 und K3 erhalten Pflichtteil von 1/12 x 600 = jeweils 50

Merke: Die Anrechnung verringert die Pflichtteilslast (ggfs. auf Null)

(im Fall:  von 150 auf 100)

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