BGB § 2099 Ersatzerbe und Anwachsung

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Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Was bedeutet die Aussage, dass das Ersatzerbenrecht dem Anwachsungsrecht vorgeht?

§ 2099 BGB Ersatzerbe und Anwachsung
Das Recht des Ersatzerben geht dem Anwachsungsrecht vor.

Ersatzerben sind Ersatzleute (sozusagen die auf der Ersatzbank), wenn der eigentliche Erbe ausfällt, z.B. weil er vor dem Erblasser verstirbt oder ausschlägt. Dann erbt an seiner Stelle der Ersatzerbe.

§ 2096 BGB Ersatzerbe
Der Erblasser kann für den Fall, dass ein Erbe vor oder nach dem Eintritt des Erbfalls wegfällt, einen anderen als Erben einsetzen (Ersatzerbe).

Von der Ersatzerbeneinsetzung ist die Anwachsung zu unterscheiden:

§ 2094 BGB  Anwachsung
(1) Sind mehrere Erben in der Weise eingesetzt, dass sie die gesetzliche Erbfolge ausschließen, und fällt einer der Erben vor oder nach dem Eintritt des Erbfalls weg, so wächst dessen Erbteil den übrigen Erben nach dem Verhältnis ihrer Erbteile an. Sind einige der Erben auf einen gemeinschaftlichen Erbteil eingesetzt, so tritt die Anwachsung zunächst unter ihnen ein.
(2) Ist durch die Erbeinsetzung nur über einen Teil der Erbschaft verfügt und findet in Ansehung des übrigen Teils die gesetzliche Erbfolge statt, so tritt die Anwachsung unter den eingesetzten Erben nur ein, soweit sie auf einen gemeinschaftlichen Erbteil eingesetzt sind
(3) Der Erblasser kann die Anwachsung ausschließen.

Bei der Anwachsung wächst der Erbteil des Weggefallenen den anderen Erben im Verhältnis ihrer Erbteile an. Ist A zu 1/2 Erbe und B und C zu je 1/4 – und sind keine Ersatzerben benannt – so wächst bei einem Wegfall des C dessen 1/4 Erbteil dem A zu 2/3 an also mit 2/12 = 1/6, so dass sich sein halber Erbteil um 1/6 auf 1/2 + 1/6 = 3/6 + 1/6 = 4/6 = 2/3 erhöht. Der Erbteil der B erhöht sich demzufolge auf 1/3.

Zu beachten ist hierbei folgende Regel:

§ 2069 BGB Abkömmlinge des Erblassers
Hat der Erblasser einen seiner Abkömmlinge bedacht und fällt dieser nach der Errichtung des Testaments weg, so ist im Zweifel anzunehmen, dass dessen Abkömmlinge insoweit bedacht sind, als sie bei der gesetzlichen Erbfolge an dessen Stelle treten würden.

Merke: Sogar die Ersatzerbfolge nach der Vermutungsregel des § 2069 BGB geht der Anwachsung vor!

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