BGB § 2232 Öffentliches Testament

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Das öffentliche Testament ist das notarielle Testament im Gegensatz zum privaten Testament, das man selber handschriftlich errichtet. Es hat folgende Voraussetzungen:

  • Der Erblasser muss vor dem Notar persönlich erscheinen, er kann sich nicht durch einen anderen vertreten lassen.
  • Dass der Erblasser dem Notar gegenüber mündlich erklärt, was er will ist natürlich die Regel, aber seit 1.8.2002 nicht mehr erforderlich. Es reicht jetzt aus, dass sich der Erblasser irgendwie aktiv erklären kann. Es ist also sogar ein sogenanntes „Testament durch Wimpernschlag“ möglich, bei dem der Erblasser durch Wimpernschlag seine Zustimmung auf die Fragen des Notars erklärt, ob er so oder so das Testament errichten soll.
  • Der Notar muss im Testament eine Feststellung zur Geschäftsfähigkeit des Erblassers treffen, wobei dies natürlich nur eine Einschätzung ist, die falsch sein kann, weil der Notar ja kein Neurologe ist.
  • Folgende Personen dürfen bei der Errichtung eines notariellen Testaments nicht mitwirken, wenn sie selber oder ihnen nahe stehende Personen in diesem Testament bedacht oder als Testamentsvollstrecker eingesetzt werden sollen: Der Notar selbst, Zeugen, Dolmetscher, zweiter hinzugezogener Notar.
  • In bestimmten Fällen muss der Notar Zeugen oder einen zweiten Notar hinzuziehen, nämlich wenn der Erblasser dies verlangt oder wenn bei einem Ausländer das dann geltende ausländische Erbrecht die Hinzuziehung von zwei oder drei oder mehr Zeugen gebietet.
  • Kann der Erblasser kein Deutsch, muss das Testament für ihn übersetzt werden
  • Das Testament kann der Erblasser auch errichten, indem er dem Notar eine Schrift mit dem Testamentsinhalt übergibt, wobei dies durch Übergabe einer offenen Schrift oder einer verschlossenen Schrift geschehen kann.
  • Das Testament muss vom Notar an das Nachlassgericht zur Verwahrung abgeliefert werden.

§ 2232 BGB Öffentliches Testament
   Zur Niederschrift eines Notars wird ein Testament errichtet, indem der Erblasser dem Notar seinen letzten Willen erklärt oder ihm eine Schrift mit der Erklärung übergibt, dass die Schrift seinen letzten Willen enthalte. Der Erblasser kann die Schrift offen oder verschlossen übergeben; sie braucht nicht von ihm geschrieben zu sein.

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