Selbstgenutztes Haus kann steuerfrei vererbt werden

 

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

 Zehn Jahre weiter nutzen

Die Vererbung einer selbst genutzten Wohnimmobilie an einen Ehegatten bzw. an einen eingetragenen Lebenspartner bleibt steuerfrei. Voraussetzung: Das Objekt wird nach Erwerb zehn Jahre lang von dem Erwerber selbst zu Wohnzwecken genutzt.

Die Vererbung einer selbst genutzten Wohnimmobilie an Kinder bzw. an Kinder verstorbener Kinder (= Enkel, deren Elternteil bereits verstorben ist) ist bis zu einer Fläche von 200 qm steuerfrei. Auch hier ist Voraussetzung, dass der Erwerber das Familienheim zehn Jahre lang selbst zu Wohnzwecken nutzt.

In beiden Fällen gilt: Die Steuerbefreiung entfällt rückwirkend, wenn das Familienheim innerhalb der Zehnjahresfrist verkauft oder vermietet wird. Eine Ausnahme von der Nachversteuerung besteht für den Fall, dass die Selbstnutzung aus zwingenden objektiven Gründen aufgegeben wird. Hierunter fallen z. B. Tod oder erhebliche Pflegebedürftigkeit (Pflegestufe 3).

 Umzug aus beruflichen Gründen löst Steuer aus

Bislang war umstritten, was passiert, wenn der Erbe aus beruflichen Gründen die Immobilie verlassen muss. So ist in den Erbschaftsteuerrichtlinien lediglich geregelt, dass eine Aufgabe der Selbstnutzung vor Ablauf der 10 Jahre nur dann unschädlich ist, wenn dies aus objektiv zwingenden Gründen der Fall ist. Als solche objektiv zwingenden Gründe galten in der Regel die Pflegebedürftigkeit verbunden mit einem Umzug ins Pflegeheim oder der eigene Tod des Erben. Streitig war bislang immer die Frage, was passiert, wenn der Erbe aus beruflichen Gründen zwingend wegziehen muss, weil er beispielsweise von seinem Arbeitgeber an einen anderen Dienstort versetzt wird.

Das Finanzgericht Münster hat nun in einem aktuellen Urteil (Aktenzeichen: 3 K 1321/11, Finanzgericht Münster) entschieden, dass berufliche Gründe für die Aufgabe der Selbstnutzung des geerbten Familienheims nicht ausreichen. Wenn also der Erbe aufgrund eines beruflich erzwungenen Ortswechsels das Familienheim nicht mehr selbst bewohnen kann, entfällt die Erbschaftsteuerbefreiung.

Das Urteil des Finanzgerichts Münster ist allerdings noch nicht rechtskräftig, es wurde hier Revision zum Bundesfinanzhof eingelegt (Aktenzeichen des Bundesfinanzhofs: II R 13/13). Es bleibt daher abzuwarten, wie der Bundesfinanzhof diese Frage entscheidet.

 

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Menü