Steuerpflichtiger Erwerb bei Erbfall und Schenkungen während der letzten zehn Jahre

 

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

 

Berücksichtigung früherer Erwerbe

Mehrere innerhalb von zehn Jahren von derselben Person anfallende Vermögensvorteile werden vom Finanzamt zusammengerechnet. Dabei werden dem letzten Erwerb die früheren Erwerbe nach ihrem früheren Wert zugerechnet. Von der Steuer für den Gesamterwerb wird dann die Steuer abgezogen wird, welche für die früheren Erwerbe zur Zeit des letzten Erwerbs zu erheben gewesen wäre.

Was sich im Gesetzestext so „abstrakt“ anhört, bedeutet schließlich nichts anderes, als dass die persönlichen Freibeträge innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren von jedem Erblasser/Schenker nur einmal in Anspruch genommen werden können.

Wird der Freibetrag z. B. durch Schenkung und nachfolgenden Tod des Erblassers in diesem Zeitraum überschritten, erfolgt eine Besteuerung des über den Freibetrag hinausgehenden Teils.

Beispiele

– Der Sohn erhält vom Vater 200.000,00 Euro im Wege der Schenkung. Vier Jahre später verstirbt der Vater und hinterlässt ihm nochmals 200.000,00 Euro. Beide Erwerbe sind steuerfrei, da der Gesamtbetrag den Freibetrag des Sohnes nicht überschreitet.

– Wie vorher. Nach dem Tod hinterlässt der Vater dem Sohn jedoch 500.000,00 Euro. In diesem Fall beträgt der Gesamterwerb nach dem Vater 700.000,00 Euro abzgl. Freibetrag von 400.000,00 Euro = steuerpflichtiger Erwerb 300.000,00 Euro x 11 % = 33.000,00 Euro Erbschaftsteuer.

– Wie vorher, der Vater verstirbt jedoch erst 11 Jahre nach der Schenkung von 200.000,00 Euro. Diese bleibt steuerfrei, da die Zehnjahresfrist beim Tode des Vaters bereits abgelaufen ist. Vom Nachlass von 500.000,00 Euro hat der Sohn nach Abzug des Freibetrages von 400.000,00 Euro noch 100.000,00 Euro mit 7 % zu versteuern = 7.000,00 Euro.

Ermittlung

Als steuerpflichtiger Erwerb gilt die „Bereicherung“ des Erwerbers, soweit sie nicht steuerfrei ist. Hierbei ist in der Regel der Wert zum Zeitpunkt der Entstehung der Steuer maßgeblich.

Bei der Wertermittlung für die Berechnung der Erbschaftsteuer im Todesfall sind die sogenannten „Nachlassverbindlichkeiten“ vorab abzuziehen.

Dazu zählen insbesondere:

– Schulden des Erblassers mit ihrem Nominalbetrag, jedoch außerhalb von Betriebsvermögen, da diese dort bereits berücksichtigt sind

– Grundschulden/Hypotheken, die der Erblasser bestellt oder aufgenommen hat, mit dem Betrag, der am Todestag noch geschuldet wird.

– Steuerschulden des Erblassers

– Kosten für die Bestattung des Erblassers, ein angemessenes Grabmal, die Grabpflege (bis zum neunfachen Jahreswert der üblichen Grabpflege), Kosten für die üblichen Trauerfeierlichkeiten und die Kosten der Nachlassregelung (Notar, Gericht, usw.)

– Verbindlichkeiten aus Vermächtnissen, Auflagen und geltend gemachten Pflichtteilen oder Erbersatzansprüchen

Beispiel

Nachlass Gesamtwert 1.000.000 Euro

abzüglich:

– Bankkredit – 100.000 Euro

– noch bestehende Grundschuld – 250.000 Euro

– Steuerschulden – 10.000 Euro

– Bestattungskosten, usw. – 25.000 Euro

– ausgezahltes Vermächtnis – 100.000 Euro

Zwischensumme 575.000 Euro

abzüglich Freibetrag (z. B. Kind) – 400.000 Euro

Steuerpflichtiger Erwerb 175.000 Euro

Mehrfacher Erwerb desselben Vermögens

Fällt bei Personen der Steuerklasse I (Ehegatten, Kinder, Enkel) von Todes wegen Vermögen an, das in den letzten zehn Jahren vor dem Erwerb bereits von Personen dieser Steuerklasse erworben worden war (und einen Steuer entrichtet wurde), so ermäßigt sich der auf dieses Vermögen entfallende Steuerbetrag wie folgt:

um X von Hundert, wenn zwischen den beiden Zeitpunkten der Entstehung der Steuer Y Jahren, aber nicht mehr als Z Jahre liegen:

50 %  nicht länger als ein Jahr

45 % mehr als 1 Jahr, aber nicht mehr als 2 Jahre

40 % mehr als 2 Jahre, aber nicht mehr als 3 Jahre

35 % mehr als 3 Jahre, aber nicht mehr als 4 Jahre

30 % mehr als 4 Jahre, aber nicht mehr als 5 Jahre

25 % mehr als 5 Jahre, aber nicht mehr als 6 Jahre

20 % mehr als 6 Jahre, aber nicht mehr als 8 Jahre

10 % mehr als 8 Jahre, aber nicht mehr als 10 Jahre

Beispiel

Der Sohn erhält vom Vater im Wege der Schenkung oder kraft Erbgangs Vermögen im Gesamtwert von 500.000,00 Euro. Hierfür zahlt der Sohn nach Abzug seines Freibetrages von 400.000,00 Euro eine Steuer von 11 % auf 100.000,00 Euro = 11.000,00 Euro.

Ein halbes Jahr später verstirbt der Sohn an den Folgen eines Autounfalls und dasselbe Vermögen geht auf seine Tochter kraft Erbgangs über.

Normalerweise müsste die Tochter dann hierfür ebenfalls eine Erbschaftsteuer von 11.000,00 Euro entrichten. Da ihr Vater den Erwerb jedoch erst ein halbes Jahr vorher voll versteuert hat, erhält sie nach der vorstehenden Tabelle eine Ermäßigung von 50 %. Sie zahlt also nur 5.500,00 Euro.

 

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