Testament auslegen – aber richtig

Testament auslegen. Erklärt von Fachanwalt Gerhard Ruby, Spezialist für Erbrecht.

 

Wenn Laien Testament selber verfassen, sind diese oft unklar oder missverständlich. Sie müssen ausgelegt werden. Und das ist kein einfaches Unterfangen

Es kommt nicht nur auf das Testament an

Der Inhalt eines Testamentes ist natürlich das A und O bei der Auslegung. Aber jetzt kommt das Überraschende. Bei der Testamentsauslegung kommt es nicht nur auf das geschriebene Wort an. Selbst wenn der Wortlaut eines Testamentes vermeintlich klar und eindeutig erscheint, ist nicht der Wortlaut entscheidend, sondern das, was der Testamentsvollstrecker mit seinen Worten sagen wollten. Der Wille des Erblassers geht dem von ihm verwendeten Wort also vor.

Wille vor Buchstabe

Hinzu kommt, dass der Laie sich der allgemeinen Sprache bedient. Er kennt die juristischen Fachbegriffe nicht oder gebraucht sie sogar falsch. Der Laie meint in seinem Testament klar auszudrücken, was er möchte. Dabei ist oft das Gegenteil der Fall. Oft verwendet ein Laie zum Beispiel die Begriffe Vor- und Nacherbe und weiß gar nicht, dass er damit vermintes juristisches Sperrgebiet betritt. Er wollte z.B. nur zum Ausdruck bringen, dass seine Frau als „Vorerbe“ zuerst erben soll und dann die Kinder als „Nacherben“. In Wirklichkeit unterwirft er seine Ehefrau mit der Anordnung von Vor- und Nacherbschaft der Herrschaft der Kinder als endgültigen Erben. Die Ehefrau darf als Vorerbe ohne Zustimmung der Kinder nicht über die Erbschaft verfügen.

Notarielles Testament auslegen

Aus notarielle Testamente müssen oft ausgelegt werden. Der Notar wird natürlich gewusst haben, was er im Testament sagen will. Aber trifft dies auch für den Erblasser zu? Wenn der Erblasser sich eine andere Bedeutung der verwendeten Begriffe vorstellte als der Notar, ist auf den Willen des Erblassers abzustellen. Das muss natürlich alles bewiesen werden. Hierfür sind Zeugen oder Schriftstücke erforderlich, die beweisen, wie der Erblasser die verwendeten Begriffe verstanden hat. Der Beweis ist also schwer zu führen.

Beweisen ist ein hartes Brot

Wenn der Erblasser vor oder nach seiner Testamentserrichtung gesagt hat, was er in seinem Testament geregelt hat, können solche Aussagen zur Auslegung des Testaments herangezogen werden.  Aber nicht nur Äußerungen des Erblassers können zur Auslegung seines Testaments herangezogen werden, sondern auch sein Verhalten bestimmten Personen gegenüber oder seine Handlungen. Dabei gilt immer: Wer eine Auslegung behauptet, die für ihn von Vorteil ist, muss beweisen, dass der Erblasser das auch wirklich so gemeint hat. Der Beweis kann mit Zeugen geführt werden.

 

Testament auslegen mit Schriftstücken

Bei der Auslegung eines Testaments können Schriftstücke sehr hilfreich sein. Hat der Erblasser verschiedene Testamentsentwürfe hinterlassen? Gibt es Briefe oder Mails, in denen er sich über seine Nachfolge äußert? Gibt es ältere, später widerrufene Testamente, aus denen auf den Willen des Erblassers geschlossen werden kann? Alles was der Auslegung des Testaments dienlich ist, darf herangezogen werden.

Mehrere Testamente auslegen

Oft hinterlassen Erblasser mehrere Testamente. Es ist dann nicht so, dass einfach nur das letzte Testament gilt und die älteren nicht. Sofern alle Testamente gültig und nicht ganz oder teilweise widerrufen sind, ist aus allein Testamenten der Wille des Erblassers herauszulesen.

 

Andere Auslegungshilfen

Es gibt aber noch andere Auslegungshilfen. So kann zum Beispiel entscheidend sein, ob das Vermögen aus der Familie des Erblassers stammt und für die Familie erhalten werden soll. Mit welchem Geld hat der Erblasser ein Haus gekauft? Will er das Haus für eine bestimmte Person erhalten, weil sie ihm besonders nahe und vor Ort als einziges Kind arbeitet. All das kann eine Rolle spielen. Aber es gilt immer. Wer etwas will, muss es vor Gericht beweisen. Entscheidend kann auch sein, wie sich der Erblasser zu seinen Lebzeiten gegenüber seinen Kindern verhalten hat. Dem einen Kind ließ er als einzigem immer etwas zukommen, überschrieb ihm vielleicht schon einen Teil des Hauses etc. Das kann darauf hindeuten, dass dieses Kind sein alleiniger Nachfolger sein sollte. Nochmals: alles was der Auslegung des Testamentes dienlich sein kann, sollte angeführt werden. Das kann sogar der Umstand sein, ob der Erblasser in seinen Angelegenheiten eher oberflächlich oder penibel war.

Denken wie der Erblasser

Die Beteiligten – und das gilt auch für das Gericht – müssen sich also gedanklich in den Erblasser hineinversetzen. Was wollte er im Moment als er das Testament schrieb sagen?

 

 

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