Testamentsrücknahme führte zur Katastrophe

Ein Ehepaar hatte keine Kinder. Die beiden hatten ein notarielles Testament errichtet und hinterlegt. Sie gingen wieder zum Notar um für sich Generalvorsorgevollmachen zu errichten. Entweder verstanden die beiden den Notar falsch oder er beriet wirklich falsch, jedenfalls waren die beiden der Meinung mit der Vollmacht sei nun alles geregelt und sie nahmen das Testament aus der amtlichen Verwahrung.

Wird aber ein notarielles Testament aus der amtlichen Verwahrung genommen, gilt das als Widerruf des Testamentes.

Fachanwälte für Erbrecht in Villingen-Schwenningen: Rechtsanwältin Treutlein und Rechtsanwalt Ruby

Bei einem handschriftlichen Testament ist das anders. Wird ein hinterlegtes privatschriftliches Testament, das hinterlegt ist, zurückgenommen, gilt es weiter.

So stehe es im Gesetz:

§ 2256 BGB
Widerruf durch Rücknahme des Testaments aus der amtlichen Verwahrung

(1) Ein vor einem Notar … errichtetes Testament gilt als widerrufen, wenn die in amtliche Verwahrung genommene Urkunde dem Erblasser zurückgegeben wird. …

(2) Der Erblasser kann die Rückgabe jederzeit verlangen. Das Testament darf nur an den Erblasser persönlich zurückgegeben werden.

(3) …; die Rückgabe ist auf die Wirksamkeit des (eigenhändig errichteten) Testaments ohne Einfluss.

Als nun die Ehefrau Jahre später verstarb, war der überlebende Ehemann hell entsetzt. Er glaubte er sei aufgrund des notariellen Testaments Alleinerbe. Die beiden hatten sich dort gegenseitig zu Erben eingesetzt. Es wurde ihm beim Nachlassgericht erklärt, dass die Rücknahme eines notariellen Testaments aus der amtlichen Verwahrung das Notartestament zum Erlöschen bringe.

Die Sachlage ist so zu behandel, als sei gar kein Testament vorhanden. Danach erbt der kinderlose Ehegatte, aber nach dem Gesetz nur 3/4. Das andere 1/4 ging an die Geschwister der Verstorbenen. Diese erbten 1/4 des Hauses der Verstorbenen. Der Witwer musste jetzt neben dem Verlust seiner Ehefrau auch noch die Auszahlung eines 1/4 des Hauswertes an die Geschwister seiner Ehefrau verkraften.

RUBY. Die Kanzlei für Erbrecht. Vöhrenbacher Str. 4. 78050 Villingen-Schwenningen. Tel.: 07721 / 99 30 505.

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