Unser Erbrecht ist römisch – Warum eigentlich?

Unser Erbrecht ist auch heute noch zu 80 Prozent von den alten Römern geprägt. Wie kam es dazu?

Das deutsche Erbrecht steht in der Tradition römischer und kirchlicher Rechtsvorstellungen. Die alten Römer waren was Recht, Verwaltung und Militär anbelangt schlichtweg genial. Und das Recht der Kirche war und ist das alte römische Recht.

Wenn vom „römischen Recht“ die Rede ist, dann ist damit vor allem das „Corpus Iuris Civilis“ gemeint. Die Gesetzessammlung des oströmischen Kaisers Justinian (527 bis 565).

Römisches Recht war Kaiserrecht

Die deutschen Kaiser verstanden sich als Nachfolger der römischen Cäsaren. Das hatte übrigens biblische Gründe. Nach der Lehre von den vier Reichen, sollte der Antichrist kommen, wenn das vierte Reich, und das war das römische, untergehe. Also musste es fortbestehen, was mit der Krönung Karls des Großen zum Kaiser um 800 garantiert war. An die Vier-Reiche-Lehre knüpft die mittelalterliche Theorie der translatio imperii (Übertragung der Herrschaft) an. Mit ihr wurde der Übergang der römischen Herrschaft auf die Herrscher des Heiligen Römischen Reichs begründet. Dies zeigt schon der Name „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“. Und so wurde das alte römische Recht im Mittelalter nicht als fremdes Recht, sondern als Kaiserrecht verstanden. Es stand neben den alten germanischen Rechten. So studierten die deutschen Juristen seit der Renaissance des römischen Rechts im 13. Jahrhundert denn auch vorwiegend in Italien. Sie arbeiteten hauptsächlich an kirchlichen Gerichten und in der kirchlichen Verwaltung. Schon Otto der Große hatte im Rahmen seines Reichskirchensystems der Kirche politische Aufgaben, Verwaltungsaufgaben und Gerichtshoheiten übertragen. Damit gewann auch die kirchliche Gesetzessammlung „Corpus Iuris Canonici“ in Deutschland immer mehr an Bedeutung.

Später wurden die Juristen auch in den Verwaltungen der Landesherren und der Städte eingesetzt. So gelang römisches und kirchlich geprägtes Rechtsdenken immer stärker zur Anwendung. 1495 kam es dann zum vorläufigen Höhepunkt. Das Reichskammergericht urteilte ab jetzt ausschließlich „nach des Reiches gemeinem Recht“, also dem römischen und kanonischen Recht.

Das beste Recht finden

Die Rezeption des römischen Rechts, also die Verschmelzung des römischen Rechts mit deutschen Rechtsgedanken, setzte sich fort. Ergebnis war schließlich im 19. Jahrhundert die Pandektenwissenschaft. Die „Pandekten“ waren als Studienbuch für Fortgeschrittene des römischen Rechts ein Teil des Corpus Iuris Civilis. Die deutschen Pandektenwissenschaftler waren davon überzeugt, dass das beste Recht dasjenige sei, das auf Rechtsgrundsätzen beruhe, die ihrerseits das Rechtssystem beherrschten. Diese Rechtsgrundsätze hatten die römischen Juristen besessen und sollten wieder herausgearbeitet werden. Der führende Pandektenwissenschaftler um 1875 hieß Windscheid. Er war maßgeblich am Entwurf eines Zivilgesetzbuches für das Deutsche Reich, dem späteren BGB, beteiligt.

Das BGB-Erbrecht ist am 1.1.1900 in Kraft getreten und im wesentlichen unverändert geblieben. Politisch war das BGB als liberales Gesetzbuch konzipiert. Römisches Recht und Liberalismus verschmolzen im BGB zu einer Einheit.

 

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