Vorerschaft und Nacherbschaft: Ein Überblick zum erbrechtlichen Staffellauf

 

Gerhard Ruby - Portrait

Vor- und Nacherbschaft. Erklärt von Gerhard Ruby, Anwalt für Erbrecht.

Vor- und Nacherbschaft ist ein erbrechtlicher Staffellauf

Beispiel: Der Erblasser gibt den Stab (= das Erbe) mit seinem Tode dem Vorerben und dieser den Stab dann an den Nacherben weiter, der dann damit durchs Ziel läuft und den Stab behalten darf.

Etwas juristischer:

Der Erblasser kann einen Erben einsetzen und dabei bestimmen, dass dieser erst Erbe wird, nachdem zunächst ein anderer Erbe geworden ist.

  • Der zweite Erbe ist dann der Nacherbe,
§ 2100 BGB Nacherbe
 Der Erblasser kann einen Erben in der Weise einsetzen, dass dieser erst Erbe wird, nachdem zunächst ein anderer Erbe geworden ist (Nacherbe).
  • während der erste Erbe der Vorerbe ist

Wichtig: Nicht nur der Vorerbe, sondern auch der Nacherbe, also beide sind Erben des Erblassers. Der Nacherbe ist nicht der Erbe des Vorerben.

Nacherbfall

Der Erblasser kann bestimmen, wann der Nacherbe zum Zuge kommt. Diesen Zeitpunkt nennt man Nacherbfall. Mit ihm wird der Nacherbe Erbe und der Vorerbe verliert seine Erbenstellung. Der Vorerbschein wird damit falsch und ist vom Nachlassgericht einzuziehen. Der Nacherbe erhält dann – wenn er nicht selber wieder einen Nacherben hat (sogenanne „gestaffelte Nacherbfolge“ mit einem weiteren Staffelläufer) einen normalen Erbschein, der ihn als Vollerbe = vollwertiger Erbe ohne Beschränkung durch Nacherbfolge ausweist.

Ist der Zeitpunkt des Nacherbfalls im Testament nicht bestimmt, so kommt der Nacherbe nach dem Tod des Vorerben zum Zug.

Fehlender Nacherbe

Hat der Erblasser nur einen Vorerben bestimmt („Ich setzte A nur als Vorerben ein. Der Nacherbfall tritt am  31.12.2030 ein“), aber keinen Nacherben, dann werden diejenigen Nacherben (außer dem Fiskus), die in diesem Zeitpunkt oder zu dem bestimmten Ereignis gesetzliche Erben des Erblassers wären.

§ 2104 BGB Gesetzliche Erben als Nacherben
 Hat der Erblasser angeordnet, dass der Erbe nur bis zu dem Eintritt eines bestimmten Zeitpunkts oder Ereignisses Erbe sein soll, ohne zu bestimmen, wer alsdann die Erbschaft erhalten soll, so ist anzunehmen, dass als Nacherben diejenigen eingesetzt sind, welche die gesetzlichen Erben des Erblassers sein würden, wenn er zur Zeit des Eintritts des Zeitpunkts oder des Ereignisses gestorben wäre. Der Fiskus gehört nicht zu den gesetzlichen Erben im Sinne dieser Vorschrift.

Fehlender Vorerbe

Umgekehrt werden die gesetzlichen Erben Vorerben, wenn der Erblasser nur bestimmt hat, wer ab einem bestimmten Ereignis oder Zeitpunkt an Erbe sein soll, ohne zu bestimmen, wer bis dahin Erbe sein soll („Nacherbe ist die Stadt Radolfzell. Der Nacherbfall tritt 1.1.2020 ein“).

§ 2105 BGB Gesetzliche Erben als Vorerben

(1) Hat der Erblasser angeordnet, dass der eingesetzte Erbe die Erbschaft erst mit dem Eintritt eines bestimmten Zeitpunkts oder Ereignisses erhalten soll, ohne zu bestimmen, wer bis dahin Erbe sein soll, so sind die gesetzlichen Erben des Erblassers die Vorerben.
(2) Das Gleiche gilt, wenn die Persönlichkeit des Erben durch ein erst nach dem Erbfall eintretendes Ereignis bestimmt werden soll oder wenn die Einsetzung einer zur Zeit des Erbfalls noch nicht gezeugten Person oder einer zu dieser Zeit noch nicht entstandenen juristischen Person als Erbe nach § 2101 als Nacherbeinsetzung anzusehen ist.

Erbe auf Zeit

Der Vorerbe ist zwar bis zum Eintritt des Nacherbfalls Eigentümer aller Sachen und Inhaber aller Rechte, die zum Nachlass gehören; allerdings ist seine Rechtsstellung doch befristet und bedingt.

Da der Nacherbe der endgültige bzw. eigentliche Erbe ist, wird die Erbschaft für ihn vom Gesetz geschützt. Der Vorerbe darf sie nur gebrauchen, nicht aber verbrauchen. Er darf also zum Beispiel als Vorerbe im geerbten Haus wohnen und es vermieten, es aber nicht verkaufen. Dazu braucht er die Zustimmung des oder der Nacherben.

Der Vorerbe ist also in seiner Verfügugnsmacht beschränkt. Von diesen Beschränkungen kann der Erblasser im Testament fast ganz oder nur teilweise Befreiung erteilen, zum Beispiel, dass der Vorberbe das Haus ohne Zustimmung der Nacherben verkaufen darf, wenn er dann mit dem Geld eine andere Immobilie erwirbt, die wieder der Nacherbschaft unterliegt. Im Grundbuch wird bei Vor- und Nacherbschaft immer ein sogenannter Nacherbenvermerk eingetragen, damit der Verkäufer beim Verkauf sieht, dass der Vorerbe das Haus eigentlich gar nicht verkaufen darf bzw. er zum Verkauf die Zustimmung der Nacherben benötigt.

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