Vorschenkungen können die Erbschaftsteuer erhöhen

Schenkungen können die Erbschaftsteuer erhöhen

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby, Fachanwalt für Erbrecht, Villingen-Schwenningen, Rottweil, Radolfzell

Wenn man an dieselbe Person schenkt, werden vom Finanzamt alle Vorschenkungen an dieselbe Person zur letzten Schenkung hinzugerechnet. Auf diese Weise will man verhindern, dass man den persönlichen Freibetrag innerhalb von zehn Jahren mehrfach ausnutzt. Das gilt aber auch beim Erben.

Beispiel Schenkung

Der Vater kann dem Sohn 400.000 Euro steuerfrei schenken. Es geht aber nicht an, dass er seinem Sohn jedes Jahr 400.000 Euro gibt, mit der Zielsetzung so jedes Jahr den Steuerfreibetrag von 400.000 Euro auszunutzen. Der Freibetrag soll in zehn  Jahren nur einmal ausgenutzt werden können.

Berechnungsbeispiel Erbschaft

Wenn der Vater also in 2008 einmal 400.000 Euro schenkte und dann in 201 noch einmal 400.000 Euro vererbt, zählt das Finanzamt die beiden Erwerbe zusammen und kommt auf 800.000 Euro. Dann wird die aktuelle Steuer auf den Gesamterwerb von 800.000 Euro errechnet, was nach Abzug des Freibetrags von 400.000 Euro 15 % aus 400.000 Euro, mithin 60.000 Euro Steuern ausmachen würde. Von dieser vorläufigen Erbschaftsteuer von 60.000 Euro wird dann „die Steuer abgezogen, die für die früheren Erwerbe nach den persönlichen Verhältnissen des Erwerbers und auf der Grundlage der geltenden Vorschriften zur Zeit des letzten Erwerbs zu erheben gewesen wäre“. War die tatsächlich gezahlte Steuer höher, ist dieser höhere Betrag abzuziehen (§ 14 Abs. 1 S. 2, 3 ErbStG).

Es ist also jetzt die fiktive Abzugssteuer für die Schenkung aus 2008 zu ermitteln:
Schenkung 2008 = 400.000 Euro
./. Freibetrag 2008 = ./. 205.000 Euro
= steuerpflichtiger Erwerb 2008 = 195.000 Euro
Steuersatz 2017 = 11 % = 21.450 Euro (was zufällig genau der 2008 gezahlten Steuer entspricht).

Festzusetzende Steuer in 2017 = 60.000 ./. 21.450 = 38.550 Euro

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