Zeit für ein Behindertentestament?

Behindertentestament

Fachanwalt für Gerhard Ruby erklärt das Behindertentestament bei den Villinger Erbrechtstagen

Wann ist es Zeit für ein Testament?

Ich sage gerne, wenn sie etwas haben, was ihnen wichtig ist, und das nach ihrem Tod nicht in unerwünschte Hände fallen soll, dann sollte ein Testament gemacht werden. Das muss kein materieller Wert sein. Denken Sie an die alleinerziehende junge Mutter. Sie kann im Testament verfügen, wer Vormund ihres Kindes sein soll, wenn sie stirbt.

Dann ist das zeitliche Moment zu beachten. Auf jeden Fall muss das Testament gemacht werden, so lange man noch testierfähig ist. Man denkt dabei immer, das werde ich noch lange sein. Aber wer weiß. Morgen kommt der Schlaganfall, ein Unfall, die Demenz und dann ist es zu spät.

Ganz wichtig ist dabei in gedanklicher Trick. Wir neigen dazu, unseren Tod zu verdrängen. Die Mandanten verlegen gedanklich ihren Tod in eine ferne Zukunft. Ich muss mich aber fragen, wer soll erben, wenn ich heute oder morgen sterbe. Was soll sein, wenn ich morgen tödlich verunglücke. Das ist kein angenehmer Gedanke, aber er macht in der Entscheidung vieles einfacher. Ein Testament kann ja immer wieder erneuert werden. In fünf Jahren beantworte ich diese Frage vielleicht ganz anders. Aber im Moment, ist das die richtige Entscheidung und ein Testament muss dieses zeitliche Moment abdecken: Wer soll erben, wenn ich morgen sterbe.

Wann sollen Eltern mit einem behinderten Kind ihr Testament machen?

Sofort nach der Geburt; denn wenn kein Testament da ist gilt die gesetzliche Erbfolge mit ihren oft nachteiligen Folgen. Stellen Sie sich vor das Kind kommt auf die Welt und der Vater stirbt ein halbes Jahr später bei einem Verkehrsunfall. Die verwitwete Mutter und das Kind werden im Normalfall zu je 1/2 Erbe. Da das Kind minderjährig ist bekommt es einen Ergänzungspfleger vom Gericht zur Seite gestellt. Das ist auch bei einem nicht behinderten Kind der Fall. Der Ergänzungspfleger regiert in die Erbengemeinschaft zwischen Mutter und Kind mit hinein. Man hat ständige Auseinandersetzungen und muss sich alles genehmigen lassen, oft auch noch vom Familiengericht. Diesen hohen bürokratischen Aufwand verhindert ein Testament, in dem die Mutter z.B. zum Testamentsvollstrecker eingesetzt wird.

RUBY. Die Kanzlei für Erbrecht. Radolfzell – Villingen – Rottweil.

Tel.: 07721 9930505

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